« zurück zur Liste

Interview mit Jan Ferch von Radonova: Warum eine Radonmessung beim Immobilienkauf sinnvoll ist

22.01.2026 | Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens. Man prüft die Bausubstanz, kontrolliert das Dach, studiert den Energieausweis und achtet auf die Lage. Doch ein entscheidender Faktor bleibt oft unsichtbar und geruchlos: das radioaktive Edelgas Radon. In Deutschland ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Besonders tückisch: Ob ein Haus belastet ist, lässt sich weder am Alter noch am optischen Zustand festmachen.

Interview mit Jan Ferch von Radonova: Warum eine Radonmessung beim Immobilienkauf sinnvoll ist- Foto: Francesco Scatena / iStock.com
In vielen Ländern, wie etwa Schweden oder den USA, gehört ein Radon-Check beim Hauskauf längst zum Standard-Prozedere wie die Prüfung der Grundbucheinträge. In Deutschland wächst das Bewusstsein für dieses Thema erst langsam. Wir haben mit Jan Ferch von Radonova darüber gesprochen, warum Käufer und Verkäufer gleichermaßen von einer Messung profitieren und wie man im engen Zeitplan eines Immobilienkaufs Gewissheit erlangt.

Redaktion immobilien.de: Herr Ferch, viele Hauskäufer hören den Begriff „Radon“ zum ersten Mal, wenn sie sich intensiv mit Bauökologie beschäftigen. Was genau ist Radon und wie gelangt es überhaupt in unsere Häuser?

Jan Ferch: Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran im Erdreich entsteht. Es ist unsichtbar, geruchlos und geschmacklos. Radon gelangt aus dem Boden durch Undichtigkeiten – etwa Risse, Fugen oder Leitungsdurchführungen – in Gebäude und kann sich dort anreichern, insbesondere in Kellern und Erdgeschossen.

Redaktion immobilien.de: Sie erwähnen das Gesundheitsrisiko. Ab wann wird die Konzentration im Haus gefährlich und welche Richtwerte gelten in Deutschland?

Jan Ferch: In Deutschland gilt ein gesetzlicher Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel für Aufenthaltsräume. Oberhalb dieses Wertes steigt das Lungenkrebsrisiko messbar an. Die WHO empfiehlt sogar 100 Bq/m³. Wichtig ist: Es gibt keinen völlig risikofreien Radonwert – je niedriger, desto besser.

Redaktion immobilien.de: Gerade beim Immobilienkauf muss alles schnell gehen. Eine Standard-Messung dauert oft drei bis zwölf Monate. Wie passt das in einen zeitkritischen Kaufprozess?

Jan Ferch: Für den Immobilienkauf eignen sich Kurzzeitmessungen, etwa über zehn Tage, wie sie mit speziellen Messgeräten, wie mit unserem Radpidos, durchgeführt werden. Diese liefern keine amtliche Jahresmittelwerte, bieten aber eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Käufer und Verkäufer erhalten schnell Klarheit, ob Handlungsbedarf besteht – genau das zählt im Kaufprozess.

Redaktion immobilien.de: Wer sollte die Kosten für eine solche Messung tragen – der Käufer oder der Verkäufer? Und wie hoch ist die Investition für die Sicherheit?

Jan Ferch: Beides ist sinnvoll. Verkäufer können mit Transparenz punkten und ein „radongeprüftes“ Objekt anbieten. Käufer investieren aktiv in ihre Gesundheit. Die Kosten liegen im niedrigen zweistelligen Eurobereich pro Messset – eine sehr geringe Investition gemessen am Immobilienwert und am Sicherheitsgewinn.

Redaktion immobilien.de: Angenommen, eine Messung ergibt tatsächlich erhöhte Werte. Ist der Hauskauf damit automatisch hinfällig?

Jan Ferch: Nein, keineswegs. Radon ist kein Todesurteil für eine Immobilie. Es gibt erprobte und meist gut umsetzbare Maßnahmen wie verbesserte Lüftung, Abdichtung oder technische Lösungen wie eine Unterbodenabsaugung. Die zu erwartenden Kosten können sachlich in die Kaufpreisverhandlung einbezogen werden.

Redaktion immobilien.de: Gibt es bestimmte Regionen in Deutschland, in denen man besonders wachsam sein sollte, oder ist Radon ein flächendeckendes Thema?

Jan Ferch: Ja, es gibt ausgewiesene Radonvorsorgegebiete, etwa in Teilen von Bayern, Sachsen oder Thüringen. Gleichzeitig wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass Häuser außerhalb dieser Gebiete automatisch sicher sind. Radon ist ein bundesweites Thema, und jedes Gebäude muss individuell betrachtet werden. Die Gebäudesubstanz ist wichtiger als die Höhe des Radonvorkommens im Boden.

Redaktion immobilien.de: Wie läuft eine Messung mit Radonova konkret ab? Muss dafür ein Techniker ins Haus kommen?

Jan Ferch: Nein. Die Messung ist bewusst einfach gehalten: Bestellung online bei Radonova, Versand der Detektoren per Post, Platzierung durch den Kunden selbst nach Anleitung. Nach der Messung werden die Detektoren zurückgesendet und im akkreditierten Labor ausgewertet. Der Ergebnisbericht kommt schnell und diskret.

Redaktion immobilien.de: Was raten Sie Immobilienmaklern, die ihre Kunden seriös beraten wollen und vielleicht bisher vor dem Thema zurückgeschreckt sind?

Jan Ferch: Radon gehört zum Thema Wohngesundheit und damit zur professionellen Beratung. Makler, die transparent informieren und Messungen empfehlen, schaffen Vertrauen und positionieren sich als Experten für nachhaltiges und verantwortungsvolles Wohnen. Das ist kein Risiko – sondern ein klarer Qualitätsvorteil.

Redaktion immobilien.de: Herr Ferch, vielen Dank für das Gespräch!

Quelle: t.tf.

468865/2357
« zurück zur Liste