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Tiny House bauen und einrichten: Welche Voraussetzungen es zu beachten gilt

14.01.2020 | In Deutschland, als auch auf der ganzen Welt werden platzoptimierte Tiny Houses immer beliebter. Dieser Wohntrend aus den USA umfasst allen Arten von Kleinsthäusern mit weniger als 50 m² Wohnfläche. Nachfolgender Artikel stellt die wichtigsten Tipps zusammen, um ein Tiny House effizient zu bauen und einzurichten. 


 

Gesetzliche Vorgaben in Deutschland beachten


Nicht ohne Grund werden flexible Wohnlösungen wie Tiny- oder Modulhäuser weltweit immer beliebter. Denn sie garantieren den Bewohnern ein Höchstmaß an Flexibilität. Schließlich lassen sich in einem Modulhaus zusätzliche Zimmer anbauen oder beliebig verändern. Auch die Kostenersparnis ist bei einem überschaubaren Tiny House im Vergleich zum massiven Einfamilienhaus enorm. Dies ermöglicht es, mehr Geld zum Leben und Einrichten beiseite zu legen. Schon seit Jahren haben US-Amerikaner diese Vorteile erkannt und die Tiny Houses als kostensparende Lösung für sich entdeckt. Vorteilhaft wirkt sich für sie der Umstand aus, dass die Tiny Houses in den USA relativ seichten gesetzlichen Bestimmungen unterliegen. Im bürokratischen Deutschland gestaltet es sich indes nicht so einfach, ein Tiny House zu bauen. Hier gelten sowohl für feststehende Häuser, als auch Häuser mit Rollen strikte Auflagen:

  • Auf Rädern befestigte Tiny Houses gelten dem Gesetz nach als Wohnwagen. Sie müssen im Straßenverkehr zugelassen sein. Wer zusätzliche Extras plant, muss sich individuelle Genehmigungen dafür einholen. Selbiges gilt für alle zu entrichtenden Versicherungen und Steuern.
  • Feststehende Tiny Houses müssen von der zuständigen Kommune ordnungsgemäß genehmigt werden. Bauherren müssen hierbei zunächst einen baulichen Entwurf vorlegen.


Finanzielle Aspekte vor dem Bauen berücksichtigen


Ein Tiny House gehört zu den kostengünstigsten Optionen, eigenen Wohnraum aufzubauen. Preiswerte Varianten sind bereits ab einem Preis von rund 5000 Euro zu haben. Obwohl diese Summe auf den ersten Blick günstig erscheint, fallen weitere Kosten an. Nicht außer Acht zu lassen sind zusätzliche Ausgaben, die etwa für die Materialbeschaffung oder Handwerkerarbeiten anfallen. Summa summarum kann ein Ausbauhaus bis zu 30.000 Euro kosten. Darüber hinaus können für bezugsfertige Varianten bis zu 100.000 Euro anfallen. Um sich trotz kleinem Budget ein hochwertiges Zuhause herzurichten, kann mitunter ein Kleinkredit eine sinnvolle Finanzierungsmöglichkeit darstellen. Viele Banken und Kreditvergabepartner verstehen sich als professionelle Ansprechpartner und vermitteln zu diesem Zweck zinsgünstige Kredite an Privatpersonen.

Vor- und Nachteile des Tiny Houses abwägen


Mitunter kann ein Tiny House für Singles, Studenten oder Alleinerziehende eine geeignete Alternative zur kleinen Wohnung sein. Größeren Familien könnte das platzsparende Haus möglicherweise etwas eng erscheinen. Bevor der Bau eines Tiny Houses beginnt, gilt es, Vor- und Nachteile sorgsam gegeneinander abzuwägen.

Als vorteilhaft erweisen sich die niedrigeren Bau- und Grundstückskosten. Mit einem Tiny House müssen insbesondere Geringverdiener nicht jahrzehntelang sparen. Sie können sich ihren Traum vom Eigenheim unter Zuhilfenahme von Finanzierungsmöglichkeiten binnen kurzer Zeit erfüllen. Darüber hinaus steht ein Tiny House als nachhaltige Wohnform hoch im Kurs. Wissenschaftlichen Studien zufolge könne es sogar dazu beitragen, den eigenen Lebensstil nachhaltig zu verändern. Wissenschaftler fanden im Rahmen einer Studie heraus, dass Tiny-House-Bewohner ihren ökologischen Fußabdruck um ganze 45 Prozent senken. Ebenfalls wuchs bei den Besitzern die generelle Bereitschaft, umweltfreundlicheres Verhalten zu zeigen.

Foto: callmewillen - pixabay.com
Vor dem Baubeginn hilft eine visualisierte 3-D-Planung dabei, die Raumaufteilung greifbarer zu machen. Auf diesem Fundament lässt sich die anschließende Innenausstattung vorteilhafter gestalten.
Foto: callmewillen - pixabay.com


Wer ein Tiny House sein Eigen nennen möchte, sollte sich vorab jedoch ebenfalls mit den nachteiligen Aspekten auseinandersetzen. Diese Art Haus ist aufgrund der geringen Größe insgesamt nur bedingt familientauglich. Aufgrund der Besonderheiten kann es zudem viel Zeit beanspruchen, alle erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Zudem kann es schwierig sein, innerhalb der kleinen Wohnfläche barrierefreie Maßnahmen umzusetzen.

Um endgültig zu entscheiden, kann es sinnvoll sein, vorab einen hilfreichen Fragenkatalog zu entwerfen. Anhand der Antworten lässt sich feststellen, ob das Haus zu den eigenen Bedürfnissen passt oder nicht. Solche Fragen können exemplarisch wie folgt lauten:

  • Besteht ausreichend Platz, um das Tiny House zu errichten?
  • Könnte das eng zugeschnittene Tiny House eine Form von Platzangst auslösen?
  • Lassen sich hoch gelegene Möbelstücke problemlos erreichen?
  • Ist es in Ordnung, längere Zeit auf die erforderlichen Baugenehmigungen zu warten?
  • Funktioniert diese Form des Zusammenlebens wirklich als Familie mit heranwachsenden Kindern?
  • Ist die grundsätzliche Bereitschaft vorhanden, energie- und umweltbewusst zu leben?


Mit einem minimalistischen Wohnstil anfreunden


In einem Tiny House zu wohnen bedeutet, in gewisser Weise mit einem minimalistischen Wohnstil zu sympathisieren. Auf engem Raum geht es darum, den eigenen Besitz zu hinterfragen und auf das Notwendigste zu reduzieren. Grundlegend bedeutet dies, sich auf allen Ebenen von unnötigem Ballast zu verabschieden. In der Theorie hört sich diese Vorgehensweise für viele Hausbauer erstrebenswert an. Praktisch fällt es oftmals schwer, überflüssige Dinge von kostbaren Habseligkeiten unterscheiden zu lernen.

Foto: jeanvdmeulen - pixabay.com
Beinahe unsichtbare Wandeinbauschränke können in einem Tiny House im Schlafzimmer viel Platz einsparen.
Foto: jeanvdmeulen - pixabay.com


Um optimal auf ein Leben im Tiny House vorbereitet zu sein, empfiehlt sich eine dreistufige Vorgehensweise. Zunächst gilt es zu entscheiden, welche Gegenstände nicht mit in das neue Eigenheim einziehen werden. Angehende Hausherren können diese Dinge vorab verkaufen oder bei geringem Wert verschenken. Auf diese Weise lassen sich schnell die Habseligkeiten bestimmen, die mit umziehen sollen. Bei Unsicherheiten kann es sinnvoll sein, Gegenstände einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Sofern der Umzug nicht unmittelbar bevorsteht, lassen sich alle relevanten Dinge in einem Zwischenlager unterbringen. Wer nach einem halben Jahr nichts vermisst, kann das Lager anschließend auflösen.

Platzsparende Möbel wählen


Den größten Trumpf im Tiny House stellen platzsparende selbst gebaute oder gekaufte Möbel dar. Gerade auf kleinstem Raum rückt der praktische Nutzen solcher Möbelstücke in den Vordergrund. Ob ein Sofa mit Stauraum, Einbauschränke oder ausklappbares Stehpult: Wer platzsparend wohnen möchte, wählt klapp- oder faltbare, multifunktionale Einrichtungsgegenstände. Um dennoch eine atmosphärische Einrichtung zu erzeugen, bietet sich ein Kontrast aus clean-minimalistischen Gegenständen und freistehenden Möbelstücken an. Sämtliche Flächen sollten hierbei optimal genutzt werden, um unerwünschte Lücken zu vermeiden. So sollten schmale Regale - beispielsweise, um entstandene Zwischenräume sinnvoll aufzufüllen - bedarfsweise zweckentfremdet werden. Wer in die Höhe baut, gewinnt mit cleveren Ordnungssystemen wertvollen Platz. Anschließend dient der neu geschaffene Stauraum der Lagerung von Kisten, Büchern oder kaum verwendeten Dingen.

Foto: 630968 - pixabay.com
Unter einer Sofa- Sitzfläche ergibt sich jede Menge effizient nutzbarer Stauraum.
Foto: 630968 - pixabay.com


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