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Tapezieren: So bereiten Sie den Untergrund vor

04.11.2019 | Am besten tapeziert in den meisten Fällen noch immer der Profi – dennoch lässt es sich der leidenschaftliche Handwerker oft nicht nehmen, in den eigenen vier Wänden selbst Hand anzulegen. Damit das Ergebnis nicht nur glatt, nahtlos und eben professionell aussieht, sondern auch lange Zeit hält, ist eines von besonderer Bedeutung: die Grundlage. Aber wie bereitet man eine Wand eigentlich richtig vor?

©Bild: contrastwerkstatt/Adobe Stock

Alte Tapeten entfernen

Tapeten sollten nicht einfach aufeinandergeschichtet werden wie Konzertplakate – ist die Wand darum vortapeziert, sollten alte Tapeten abgelöst werden. Der Grund: Die Feuchtigkeit im neuen Tapetenkleister kann den alten wieder auflösen. Raufasertapeten bieten außerdem keine glatte Oberfläche, die Struktur drückt sich in diesem Fall unschön durch die neue Tapete durch. Glatte Tapeten lassen sich gegebenenfalls überstreichen und können dann als Grundlage dienen – besser ist es dennoch, die alte Tapete einfach zu entfernen. Das geht am einfachsten, wenn vor dem Tapezieren eine spezielle Grundierung aufgetragen wurde. In fast jedem Fall müssen die Bahnen jedoch vor dem Ablösen vorbehandelt werden. Oft genügt hierfür bereits ein kurzes Einweichen mit warmem Wasser und etwas Spülmittel. Diese Mischung lässt sich mit einem Schwamm, Lappen, Sprühflasche oder auch einem vollgesogenen Farbroller verteilen. Verfärbt sich die Tapete dunkel, heißt das, dass sie Wasser aufnimmt. Dann kann man von einer Ecke aus mit dem Ablösen beginnen. Hier hilft ein Spatel. Weicht das Papier jedoch nicht ein, kann spezieller Tapetenlöser, wie er in so gut wie jedem Baumarkt zu finden ist, Abhilfe schaffen. Ist die Tapete beschichtet – etwa mit Latex oder Kunststoff – muss die Tapete vor dem Einweichen perforiert werden. Genau für diesen Zweck gibt es spezielle Stachelwalzen. Ist die Tapete vorbehandelt, muss sie mehrmals eingeweicht werden, damit sie sich gut und ohne nerviges Kratzen von der Wand löst. Auch alte Anstriche sollten idealerweise entfernt werden. Farben lassen sich je nach Art von der Wand schaben, abbeizen oder mit Ablaugemitteln entfernen. Lackschichten lösen sich unter einer Heißluftpistole.

Löcher und Risse abdecken

Weist die Wand Schäden auf, müssen diese zuvor ausgebessert werden. Dafür wird Spachtelmasse verwendet. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen zementgebundenen, gipsgebundenen und kunstharzgebundenen Spachtelmassen. Letztere werden eher für Holz, Metall und Kunststoffe verwendet. Zwar gibt es Reparatur- und Füllspachtel auf Kunstharzbasis, die benötigen oft aber eine längere Trockenzeit als andere Spachtelmassen. Zementgebundene Spachtelmassen sind stark alkalisch und können darum Oberflächen verfärben – auch Tapeten. In trockenen Innenbereichen bieten sich darum vor allem pH-neutrale Gipsspachtel an. Kleine Risse und Löcher können einfach selbst verspachtelt werden. Lediglich für Risse, die die Baudynamik gefährden könnten, sollte ein Fachmann herangezogen werden. Vor dem Spachteln ist sicherzustellen, dass die umliegenden Bereiche ausreichend fest sind und nicht bröckeln. Lose Stellen sollten entfernt werden. Dübel, Schrauben und Löcher müssen entfernt, die zurückbleibenden Löcher gründlich ausgesaugt werden. Kleine Löcher und Risse werden mit einem Malerspachtel, große Flächen mit einem Flächenspachtel geglättet. Umso sorgfältiger ist dabei vorzugehen, wenn eine dünne, glatte Tapete verwendet wird. Raufasertapeten hingegen verzeihen auch kleinere Unebenheiten. Lässt sich allein durch Spachteln keine glatte Oberfläche erzielen, wird die Wand abgeschliffen.

Saugfähigkeit der Wand sicherstellen

Damit eine Tapete lange Zeit gut erhalten bleibt, muss der Untergrund hinreichend saugfähig sein. Das lässt sich ausgesprochen einfach testen: Perlt Spritzwasser an der Oberfläche ab, anstatt sich dunkel zu verfärben, muss die Wand zusätzlich behandelt werden. Dafür muss eine Rollenmakulatur aufgetragen werden. Ist die Wand nicht saugfähig, haftet der Kleister nicht richtig – die Wand kann jedoch auch zu saugfähig sein. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Wand zu grundieren. Geschieht das nicht, wird übermäßig viel Kleister verbraucht und die Ränder der Bahnen bleiben deutlich sichtbar. Vor allem bei den porösen Gipskartonplatten ist eine Grundierung unbedingt notwendig, lohnen tut sich die Grundierung allerdings bei fast jeder Wand. Ist die Wand schon vorgestrichen und wird diese Farbe nicht entfernt, muss getestet werden, ob die alte Farbe tragfähig genug ist, um eine neue Tapete zu halten. Ritzen Sie dafür mit einem Messer in die Wand ein, kleben einen Klebestreifen über den Schnitt und ziehen diesen wieder ab. Löst sich die Farbe dabei, ist die Farbe nicht fest genug.

Reinigen und Abschleifen

In jedem Fall muss die Wand zuvor gründlich geputzt werden. Spinnweben, Staub und Dreck können mit dem Kleber reagieren oder auch durch die Wand durchschneiden. Aus diesem Grund müssen auch Markierungen zuvor entfernt oder übermalt werden. Bei hochwertigen Tapeten empfiehlt es sich, die Wand gänzlich mit grobem Schleifpapier abzuschleifen. Dieser Schritt ist jedoch optional. Da beim Abschleifen extrem viel Lärm und Staub entsteht, muss Schutzkleidung sowie Hör-, Augen- und Atemschutz getragen werden. Außerdem sollte der Raum komplett leergeräumt und alle Tür- und Fensterscharniere abgeklebt werden. Insbesondere waschbeständige Oberflächen werden vor dem Tapezieren erst einmal angeschliffen und perforiert.

Vorsicht bei feuchten Wänden und SchadstoffenIst die Wand feucht, sollte das bei der Renovierung in keinem Fall ignoriert werden. Eine feuchte Wand wirkt sich negativ auf das Raumklima auf, im schlimmsten Fall kommt es zur Schimmelbildung. Hier sollte darum die Ursache der Feuchtigkeit unbedingt identifiziert werden: Bodenfeuchtigkeit, mangelnde Außenabdichtung, aber auch defekte Rohrleitungen können für Feuchtigkeit sorgen. Erkennen lässt sich eine feuchte Wand gelegentlich an dunklen Flecken, verlässlichere Ergebnisse bietet ein Feuchtigkeitsmesser.

Bei älteren Wänden kann es vorkommen, dass sich in Farben oder Grundierungen gesundheitsschädliche Chemikalien oder Schwermetalle befinden. Darum sollten beim Entfernen eines alten Anstrichs – insbesondere bei Schleifarbeiten – unbedingt Handschuhe und Atemschutz getragen werden.

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