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Individuelles Fensterdesign: Diese Regelungen gelten in Deutschland

26.11.2018 | Fenster haben in Immobilien einen besonderen Stellenwert. Sie durchfluten die Innenräume mit Licht, sorgen für frische Luft und gewähren je nach Modell umfangreiche Aus- und Einblicke. Die Anzahl, Anordnung und Größe der Fenster spielen heute in Häusern und Wohnungen eine nicht unerhebliche Rolle. Zum einen wünschen sich Eigentümer und Mieter möglichst helle Räume, zum anderen soll aber auch ein ausreichender Schutz vor fremden Blicken und nicht zuletzt auch vor Einbrüchen gewährleistet sein. Auch im Hinblick auf energiesparendes Wohnen spielen Fenster heute eine große und wichtige Rolle.
Neben all diesen eher funktionellen Eigenschaften beeinflussen Fenster aber auch die Optik einer Immobilie. In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren viel getan. Inzwischen ist es möglich, einer Immobilie durch die Auswahl und Gestaltung der Fenster einen sehr individuellen Touch zu verleihen. Der Kreativität auf der einen Seite stehen aber auch Sicherheitsrichtlinien, verschiedene Normen und gesetzliche Rahmenbedingungen auf der anderen Seite gegenüber. Sowohl die Bauweise von Fenstern als auch ihre Größe und Anordnung und sogar die individuelle Dekoration unterliegen in Deutschland, wie so Vieles, bestimmten Vorgaben, an die sich Bauherren ebenso halten müssen wie Eigenheimnutzer oder Vermieter im späteren Verlauf. Dazu zählen vor allem:

  • Die Bauproduktenrichtlinie/Bauproduktengesetz
  • Die DIN-Normen (Deutsche Institut für Normung e. V.)
  • Die VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen)
  • Verschiedene Technische Vorgaben und Merkblätter
  • Die Vorgaben des RAL (RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V.)


Detaillierte Informationen zu den Richtlinien und ihren jeweiligen Inhalten und Zuständigkeitsbereichen gibt es unter http://www.fensterfibel.de

Über derart fundierte Fachkenntnisse im Hinblick auf Normen und Vorschriften verfügen private Eigentümer und Mieter in der Regel nicht. Es gibt aber ein paar grundlegende Aspekte die Gestaltung von Fenstern betreffend, über die auch Privatpersonen informiert bleiben sollten. Diese grundsätzlichen Regelungen und gesetzlichen Vorgaben sollten Eigentümer und Mieter kennen.

1. Kunststofffenster in Altbauten und denkmalgeschützten Immobilien


Foto: @ cocoparisienne (CCO-Lizenz) / pixabay.com


Kunststofffenster sind äußerst beliebt. Sie sind bestechen durch Langlebigkeit und passe sich individuellen Gebäudestrukturen an. Viele optische Vorstellungen lassen sich durch hochwertige Kunststofffenster realisieren. Ob rechteckig oder bogenförmig, ein- oder zweiflügelig, bodentief oder kleiner, mit Oberlicht oder als Dachfenster, Kunststofffenster können viele Formen annehmen. Auch im Hinblick auf energieeffizientes Wohnen sind Kunststofffenster heute immer eine gute Wahl.

Die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten von Kunststofffenstern geben viel kreativen Gestaltungsspielraum, wenn eine Immobilie geplant wird. Aber wie sieht es in Altbauten oder denkmalgeschützten Immobilien aus? Steht eine Sanierung an, sind die ursprünglich verbauten Fenster häufig einer der ersten und wichtigsten Ansatzpunkte, da die modernen Möglichkeiten im Bereich der Energieeffizienz mit alten Fenstern meist nicht ausgeschöpft werden können.

Kunststofffenster bieten viele Vorteile im Sanierungsbereich, werden aber vor allem in denkmalgeschützten Gebäuden häufig kritisch gesehen. Soll zum Beispiel ein Fachwerkhaus energetisch saniert werden, tendieren viele Eigentümer eher zu Holzfenstern. Dass der Einbau von Kunststofffenstern auch in Altbauten und denkmalgeschützten Immobilien aber grundsätzlich gestattet sein muss, entschied bereits 2009 das Verwaltungsgericht Koblenz im Rahmen einer Klage. Die Eigentümerin eines Fachwerkhauses, das in einer so genannten Denkmalzone mit vielen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern steht, hatte die Fenster ihres Hauses durch Kunststofffenster ersetzen lassen. Der Landkreis klagte und verlor, allerdings erst in zweiter Instanz, in der das Verwaltungsgericht entschied, dass die von der Eigentümerin eingesetzten Kunststofffenster nicht gegen Holzfenster ausgetauscht werden müssen (Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 11.8.2009, Az. 1 K 221/09.KO).

Grundsätzlich dürfen Eigentümer einer denkmalgeschützten Immobilie also auch Kunststofffenster verwenden, sofern sie in ihrer Gestaltung ins Gesamtbild der Immobilie passen. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang

  • Die Montage
  • Das Material der Fenster
  • Das Material der Rahmen
  • Die Gesamtkonstruktion der Fenster
  • Die Profilierung der gesamten Fensterkonstruktion


Entsprechende Vorgaben sind im Einzelfall mit der zuständigen Behörde für Denkmalschutz zu besprechen.

2. Einbau und Anordnung von Fenster auf Grenzseiten


Die Bebauung in Wohngebieten wird immer dichter. Der vor allem in Großstädten stetig wachsende Wohnungsmangel führt dazu, dass Wohngebäude immer dichter zusammenrücken, um möglichst viel Wohnraum auf kleiner Fläche unterzubringen. Themen wie Lärm- und Sichtschutz und die Wahrung der individuellen Privatsphäre aller Anwohner werden dadurch immer wichtiger.

Für den Einbau und die Anordnung von Fenstern, die auf Grenzseiten von Gebäuden liegen, also direkt auf ein gegenüberliegendes oder nebenstehendes Gebäude gerichtet sind, gelten in Deutschland besondere Richtlinien.

Wie das Rechtsportal Haufe.de informiert, enthält das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) keine dezidierte Regelung zum Fenster- und Lichtrecht:

„Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält in den §§ 903ff. keine Regelung des Fenster- und Lichtrechts. Auch nach den allgemeinen Vorschriften der §§ 862, 906, 1004 BGB kann weder der Einblick in das eigene Grundstück vom Nachbargrundstück aus noch die Behinderung der Zufuhr von Licht und Luft durch grenznahe bauliche Anlagen verboten werden, da es sich hierbei nach der Rechtsprechung nur um sog. negative und nach § 906 BGB nicht abwehrbare Einwirkungen handelt. Nur in eng begrenzten Ausnahmefällen kann sich aus dem von der Rechtsprechung aus dem Grundgedanken des § 242 BGB entwickelten nachbarlichen Gemeinschaftsverhältnis und der sich hieraus ergebenden Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme etwas anderes ergeben.“

(Quelle: haufe.de)


Trotzdem hängen Bauherren, Eigentümer und Mieter beim Thema Fenster- und Lichtrecht nicht völlig in der Luft. Um direkte Nachbarn hinsichtlich Belästigungen durch mangelnde Privatsphäre, Geräusche, Gerüche und Licht oder Lichtmangel zu schützen, kommen die so genannten nachbarrechtlichen Vorschriften über das Fenster- und Lichtrecht zum Tragen. Hier entscheidet jedoch der Einzelfall mit den jeweils vorherrschenden baulichen Anforderungen. Je nach den örtlichen Gegebenheiten müssen Fenster einen Mindestabstand zur Grundstücksgrenze einhalten, den so genannten Schutzstreifen. Es ist aber auch möglich, dass Nachbarn Fenster und Türen auch jenseits dieses Mindestabstandes dulden müssen, wenn die baulichen Anforderungen dies hergeben. Damit kann allerdings eine Minderung des Eigentumswertes einhergehen.

Das Lichtrecht wiederum besagt, dass bereits eingebaute Fenster durch Bauten auf dem Nachbargrundstück nicht über ein gewisses Maß hinaus beschattet werden dürfen. Die Räume, die zu dem rechtmäßig eingebauten Fenster gehören, müssen ausreichend Licht und Luft erhalten, anderenfalls sind gegenüberliegend errichtete Gebäude unrechtmäßig. Auch hier gelten im Rahmen des Fester- und Lichtrechtes gewisse Mindestabstände, die im Gesetz verankerte Rechte und Pflichten mit sich bringen. Diese zivilrechtlichen Voraussetzungen werden durch nachbarschaftliche Individualabsprachen nicht ersetzt und behalten ihre volle Gültigkeit.

3. Kreativität hat Grenzen: Dekoration und Gestaltung von Fenstern


Grundsätzlich ist die Dekoration und Gestaltung von Fenstern die Sache der Bewohner. Auch Mieter dürfen ihre Fenster unabhängig vom Geschmack des Vermieters so gestalten, wie sie dies möchten, sofern dadurch keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden müssen oder von der Gestaltung eine Gefahr für Andere ausgeht.

Foto: @ congerdesign (CCO-Lizenz) / pixabay.com


Eigentümer sind ohnehin auf der sicheren Seite, sofern die Gestaltung ihrer Fenster kein echtes Ärgernis für die Nachbarn darstellt, wie zum Beispiel eine extrem helle Beleuchtung, die auch nachts noch aktiv ist. Diese könnte durchaus als Belästigung angesehen und dadurch in der Nutzung eingeschränkt werden. Auch von außen angebrachte Dekorationen können für Nachbarn ein Ärgernis darstellen. Hier muss allerdings im Einzelfall geprüft werden, ob dadurch tatsächlich eine Einschränkung der Wohnqualität erzeugt wird oder ob sogar eine Gefährdung von der Dekoration ausgeht.

Auch Mieter dürfen sich grundsätzlich in der Gestaltung ihrer Fenster frei entfalten. Voraussetzung ist allerdings, dass sich sämtliche Dekorationen jederzeit wieder rückstandslos entfernen lassen und die Fenster und die Fensterrahmen dadurch nicht geschädigt werden. Dies gilt zum Beispiel für Sichtschutzfolien oder andere verklebte Dekorationen. Wenn sie allerdings bauliche Veränderungen vornehmen müssen, wie zum Beispiel den Einbau von Rollos oder ähnlichen Verdunkelungen, sollte dies zunächst mit dem Vermieter abgesprochen werden. Außerdem haben Vermieter ein gewisses Einspruchsrecht, wenn die Gestaltung der Fenster den Wert der Immobilie mindert, zum Beispiel weil das Gebäude von außen dadurch weniger gepflegt wirkt.

Bei der Dekoration und Gestaltung von Fenstern sind der Kreativität und dem persönlichen Geschmack also fast keine Grenzen gesetzt.
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