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Finanzielle Freiheit mithilfe unabhängiger Finanzberater?

23.09.2018 | Finanzielle Freiheit ist für viele Menschen das höchste Gut. Sie gilt oftmals - und teils zu Unrecht - als Voraussetzung für die individuelle Freiheit - jene Freiheit, durch anerkannte Institutionen von externen Zwängen befreit und auch intrinsisch dazu in der Lage zu sein, seinen Willen zu verwirklichen. Nicht wenige Wagemutige versuchen es dabei mit den Mitteln der Vermögensanlage zu erreichen - und scheitern. Sie scheitern, weil sie aus Unwissenheit in Abhängigkeit von einigen suspekten Bankberatern sich begeben, denen an ihrem eigenen Profit mehr gelegen ist, als an dem ihrer Kunden. Zeit, etwas wider die Unwissenheit zu tun.
Foto: nattanan23 / pixabay.com


Unwissenheit ist ein Stichwort, das in den Kontext so mancher gegenwärtigen Konfliktlage gut hineinpasst und mit dem sich gar Bücher füllen lassen würden. Unwissenheit kann zu Un-heil führen, aber sie kann auch nützlich sein, um sich selbst nicht zu überfordern. Denn alles wissen kann man ohnehin nicht. In einer Welt wie der Finanzwelt jedoch, in der Rationalität und Irrationalität häufig nur durch eine hauchdünne, kaum fassbare Grenze geschieden sind, führt Unwissenheit ganz sicher zu nichts Gutem. Wer Geld anlegen und es vermehren möchte, benötigt vor allem basales Finanzmarktwissen, das er sich aneignen muss oder auf welches er gleichsam stellvertretend mithilfe eines Berater zugreifen kann. Bedauerlich ist gelinde gesagt nur, dass viele Bankberater nicht unabhängig beraten, sondern in erster Linie auf ihre Provision und den Profit der Institution(en), für die sie direkt oder indirekt arbeiten, bedacht sind.

Das Problem mit den »herkömmlichen« Bankberatern


»Herkömmliche« Bankberater unterliegen häufig einem Phänomen, das man im Fachjargon »moral hazard« nennt. Es handelt sich dabei um eine »moralische Versuchung« oder ein »moralisches Risiko«, das Akteure aufgrund falscher Anreize in Kauf zu nehmen bereit sind. Im Klartext: Sie sehen persönliche Profitchancen und ergreifen diese ungeachtet der Folgen ihres Handelns für Dritte. Die »falschen Anreize« liegen für viele Bankberater in der Provisionsvergütung. Da wir es momentan mit historisch niedrigen Zinsen zu tun haben, sehen viele Banken und Berater nämlich die einzige Chance, ihre Gewinnspannen auf gleichem Level zu halten, darin, auf hohe Provisionen zu setzen, die sie von den Fondgesellschaften einstreichen, deren Produkte sie verkaufen. Der Nutzen für den Kunden, der ja eigentlich zu seinen Gunsten beraten werden soll, ist dabei nur noch zweitrangig. Hinzu kommen zum Teil horrende Depotgebühren und Gewinnbeteiligungen.

Nun ist es natürlich äußerst unfruchtbar, alle Bankberater über einen Kamm zu scheren. Denn sicherlich gibt es auch »herkömmliche« Bankberater, die kundenorientiert beraten. Wenn man jedoch bedenkt, dass man für den Verkauf einer Lebensversicherung bis zu 500 Euro (bei einer Investitionssumme von 20.000 Euro), für einen ETF (Aktienindexfond) aber gar keine Provision bekommt, dann ist es gut vorstellbar, dass so manch ein Bankberater schon mal der falschen Versuchung erliegt.

Auf unabhängige Berater setzen und gut informieren


Eine Möglichkeit, sich gut beraten zu lassen, bestünde nun etwa darin, einen unabhängigen Vermögensberater zu konsultieren. Hier gibt es weitaus weniger »Nährboden« für einen »moral hazard«, denn unabhängige Berater nehmen in der Regel nur eine Einmalzahlung für ihre Beratungsleistungen entgegen und sind freilich auch daran interessiert, dass die Kunden wiederkommen bzw. von ihren positiven Erfahrungen auch ihren Freunden und Bekannten berichten. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich über Freunde und Bekannte zu informieren, die bereits Anlageerfahrung haben. Und sollte man sich im Endeffekt dann doch für einen »herkömmlichen Bankberater« entscheiden, dann gilt es zumindest, verschiedene Bankberater nach ihrer Meinung zu fragen und sich nicht nur auf den vermeintlich vertrauenswürdigen Berater der eigenen Hausbank verlassen.
Klar ist jedenfalls so viel: Eine Vermögensanlage ohne Risiko gibt es nicht - „There’s no free lunch“, wie man im angloamerikanischem Raum zu sagen pflegt. Gleichwohl kann durch eine sorgfältige Abwägung der Renditechancen, der Verfügbarkeit des Vermögens sowie der Risiken (im Finanzmarktjargon spricht man auch oft vom sogenannten »magischen Dreieck der Geldanlage«) eine durchaus realistische Einschätzung und Justierung der eigenen Anlagestrategie erreicht werden. Letztlich, so lässt sich zusammenfassend sagen, führt kein Weg daran vorbei, sich eigens weiterzubilden und zu informieren. Denn der beste Vermögensberater ist man im Zweifelsfalle ja dann doch wieder man selbst.
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