« zurück zur Liste

Die Schwierigkeiten bei einer Zwangsversteigerung

22.05.2019 | Eine Zwangsversteigerung ist für die Betroffenen natürlich nie schön. Andererseits bietet diese den Interessenten allerdings eine günstige Gelegenheit. Die Immobilien aus einer Zwangsversteigerung können für Käufer zum Schnäppchen werden. Zusätzlich stellt die Versteigerung an sich noch ihren eigenen Reiz dar. Ob es sich um ein gutes Geschäft handelt oder es zu einem Fehlkauf kommt, ist manchmal Glückssache. Die Kenntnis über die Schwierigkeiten einer Zwangsversteigerung können die Chancen auf einen positiven Ausgang jedoch dramatisch erhöhen.

Wer bei einer Zwangsversteigerung mitbieten will, sollte den Ablauf und die Risiken kennen. Bildquelle: QuinceMedia / Pixabay

Nur mit gesicherter Finanzierung bieten

Bevor Sie sich daran machen, bei einer Zwangsversteigerung mitzubieten, sollten Sie die Finanzierung sicherstellen. Dabei ist eine Finanzierung der Zwangsversteigerung über einen Immobilienkredit kein Problem. Das Prozedere ist dem eines „normalen“ Immobilienkaufs gleich. Allerdings werden zehn Prozent des Kaufpreises direkt fällig bzw. müssen als Sicherheitsleistung vorgewiesen werden, wenn Sie den Zuschlag erhalten.

Neben dem Kaufpreis kommen auch bei einer Zwangsversteigerung Nebenkosten hinzu. Diese bestehen in der Regel aus den Grundbuchkosten und der Grunderwerbssteuer. Darüber hinaus verlangt das zuständige Amtsgericht eine Zuschlagsgebühr vom Höchstbietenden, die ungefähr 0,5 Prozent beträgt. Daher ist es ratsam, rund 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital einzubringen. Dadurch können die Kaufnebenkosten und ein Teil der Immobilie bezahlt werden.

Aktuelle Marktlage beachten

Der Immobilienmarkt in Deutschland befindet sich in einer aufgeheizten Lage. Da ist es natürlich sinnvoll, sich mit einer Zwangsversteigerung ein Schnäppchen zu sichern. Mit etwas Glück gelangen Sie so an ein Haus für 70 bis 80 Prozent des Verkehrswertes. Allerdings ist dies auch stark von der Lage abhängig. In attraktiven Gebieten in Großstädten hat sich die Zahl der Teilnehmer an Zwangsversteigerungen in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Sie müssen also mit starker Konkurrenz rechnen, so dass die Schnäppchenjagd deutlich schwieriger wird. Der Startpreis einer Auktion orientiert sich am Verkehrswert, der vom zuständigen Gericht ermittelt wird.

Das Objekt im Vorfeld begutachten

Jedoch lässt dieser Verkehrswert keine Rückschlüsse auf den Zustand der Immobilie zu, so dass Sie hier selbst Informationen einholen müssen. Was tatsächlich auf den Käufer zukommt, ist bei einer Zwangsversteigerung grundsätzlich nicht so transparent wie bei einem normalen Immobilienkauf. Einen Überblick erhalten Sie durch die Versteigerungsakte, in der folgende Informationen enthalten sind:

  • Der Verkehrswert der Immobilie
  • Einschätzung und Beschreibung des Immobilienzustands
  • Übersicht über etwaige Erträge, Mängel und Schäden
  • Evtl. Grundbuchauszug

Oft reichen die Gutachten, die von den Gerichten erstellt werden, jedoch nicht aus, um eine umfassende Bewertung durchzuführen. Beispielsweise können Mängel und Schäden im Innenbereich nicht festgestellt werden, wenn der derzeitige Bewohner dem Gutachter den Eintritt verwehrt. Für im Vorfeld unbekannte Mängel ist jedoch keine Gewährleistung vorhanden. Das Risiko tragen Sie, was Sie bei der Kalkulation Ihrer preislichen Schmerzgrenze beachten sollten.

Sinnvoll ist es daher, selbst einen Versuch zu wagen, die Immobilie zu besichtigen. Der Eigentümer ist jedoch nicht verpflichtet, einer Besichtigung zuzustimmen. Bei einer freundlichen Anfrage sind jedoch Chancen da, einen Einblick zu erhalten. Falls nicht, haben Sie immerhin die Möglichkeit, die Immobilie von außen zu sehen.

Um nach einem erfolgreichen Kauf die nötigen Schritte einleiten zu können, müssen Sie sich zudem darüber informieren, wie die Immobilie momentan genutzt wird. Bei einem Leerstand haben Sie kaum ein Problem. Wohnt der vorherige Besitzer in der Immobilie und weigert sich auszuziehen, können Sie die Wohnung räumen lassen. Falls dieser zahlungsunfähig ist, können jedoch weitere Kosten auf Sie zukommen. Ist das Objekt vermietet, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht von drei Monaten und können Eigenbedarf anmelden. In Zweifelsfall sollten Sie sich von einem fachkundigen Anwalt beraten lassen.

Ist Ihr Interesse an einer Versteigerung einer Immobilie geweckt, können Sie hier Objekte finden, die versteigert werden. Es empfiehlt sich für Anfänger, die ein oder andere Versteigerung als Zuschauer zu beobachten, um sich mit dem Ablauf vertraut zu machen. Dann starten Sie gut informiert in die Versteigerung Ihres gewünschten Objektes ein.

500720

« zurück zur Liste