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Büroflächen in Berlin: Niedrigster Leerstand aller Zeiten

04.11.2019 | Nicht nur das Wohnen in der Hauptstadt wird immer beliebter. Offenbar wollen auch alle in Berlin arbeiten. In Sachen Bürovermietung bricht die Hauptstadt in diesem Jahr neue Rekorde und löst München als bisherigen Spitzenreiter ab.

Foto: ernhir / pixabay.com
Foto: ernhir / pixabay.com


Büroflächenvermietung in Berlin: 2019 neuer Flächenumsatz-Rekord


Noch nie standen in der Spreemetropole so wenige Büros leer wie heute. Laut Deutschlandfunk Kultur liegt der Anteil freier Büroflächen in Berlin gerade mal bei 1,6 Prozent - innerhalb des S-Bahn-Rings sogar nur bei 1 Prozent, was faktisch null freie Büros in den begehrten Innenstadt-Bezirken wie Mitte, Prenzlauer Berg oder Kreuzberg bedeutet.

Die steigende Nachfrage kommt vor allem den Vermietern der Gewerbeimmobilien zugute. So vermeldete das Immobilienunternehmen Cushman & Wakefield, dass im dritten Quartal dieses Jahres 298.600 Quadratmeter Bürofläche in der Hauptstadt vermietet wurde - der höchste Flächenumsatz aller Zeiten und damit ein neuer Rekord. Auch der monetäre Umsatz beim Verkauf von Gewerbeimmobilien ist mit 4,5 Milliarden im dritten Quartal auf Rekordhöhe. Rund 80 Prozent davon entfallen auf Büroflächen.

Die Kehrseite: Büromieten steigen ins Unermessliche


Die hohe Nachfrage nach Büroräumen zeigt, wie attraktiv Berlin als Wirtschaftsstandort geworden ist. Für viele Unternehmen bedeutet das jedoch, dass sie sich ihren Standort hier schlicht und einfach nicht mehr leisten können. Laut Industrie- und Handelskammer Berlin verließen zwischen 2013 und 2018 über 4.000 Firmen Berlin wegen steigender Mieten oder mangelnder Gewerbeflächen.

Aktuell kletterte die Durchschnittmiete um 27 Prozent auf nun 25,05 Euro pro Quadratmeter - Tendenz steigend. Wobei die Spitzenmiete sogar bei 38 Euro pro Quadratmeter liegt. Das können sich vielleicht noch Big Player wie Amazon, SAP oder VW leisten, die gerade vermehrt Standorte in Berlin schaffen. Für kleine Unternehmen und vor allem die junge Start-Up-Kultur, mit der Berlin sich gerne rühmt, bedeutet es, dass sie sich im Innenstadtbereich nicht mehr niederlassen können.

Eine fatale Entwicklung, da es vor allem diese technologieorientierten Start-Ups waren, die dafür gesorgt haben, dass Berlin für die großen digitalen Unternehmen attraktiv geworden ist. Werden die Start-Ups, die Büros in Berlin suchen, aus der Innenstadt verdrängt, schadet das nicht nur der vielfältigen, jungen Digitalszene, die zum Aushängeschild der Hauptstadt geworden ist. Sondern natürlich auch den Unternehmen selbst, die außerhalb der City ihre Attraktivität als Arbeitgeber verlieren könnten. Schon jetzt schneidet Berlin im "Global Startup Ecosystem Report" als idealer Start-Up-Standort schlechter ab als Paris. Während die deutsche Hauptstadt hier im vergangenen Jahr den siebten Platz belegte, reichte es dieses Jahr nur für Platz 10.

Wie entwickelt sich der Büroflächenmarkt in Zukunft?


Eine Entspannung der Lage ist nicht absehbar. Die Nachfrage nach Büroräumen in Berlin wird gewaltig bleiben. Dementsprechend stehen Unternehmen, die neue Räume suchen, weiterhin unter Druck. Zumal die zu erwartenden neuen Flächen zu 70 Prozent bereits vorvermietet sind. Viele Start-Ups und auch größere Unternehmen werden in Berlin zukünftig vermehrt auf Coworking-Spaces setzen müssen, wenn sie in der Innenstadt bleiben wollen.

Für Immobilienunternehmen lohnt es sich, weiterhin zu investieren - so holte der Immobilienkonzern TLG jüngst wieder alte Pläne für zwei riesige Bürotürme am Alexanderplatz aus der Schublade.
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